Bloggen = Journalismus 2.0

Was bisher geschah: Die Massenmedien – einst eine Art Kontrollinstrument, das darüber wachen sollte, dass die drei Staatsgewalten keinen Unsinn treiben, haben sich verkauft. Oder sind verkauft worden. Oder in den Händen einiger weniger konzentriert - wie auch immer.
Jedenfalls werden sie (die Massenmedien) heute nicht mehr der Aufgabe gerecht, für dessen Erledigung sie einst mit der Pressefreiheit ausgestattet wurden. Stattdessen dienen die Massenmedien heute vermehrt der gezielten Meinungsmache.
Peter Scholl-Latour bringt es auf den Punkt: Die Freiheit der Presse im Westen, wobei die viel besser ist als anderswo, ist letztlich die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu veröffentlichen.
Ob Elfriede Springer über die BILD gegen den Mindestlohn wettert (und dabei ihren P.I.N. Mitarbeitern auf Steuerkosten die mageren Gehälter aufstocken lässt), ob die Bertelsmann Stiftung über Gruner & Jahr äußerst parteiische Meinungsmache betreibt. Oder ob von der Industrie finanzierte "Wirtschaftswissenschaftler" sich passend zur Lage der Nation im Zweiwochen-Rhythmus erst gegenseitig und dann selbst widersprechen: Papier ist sehr geduldig geworden.
Einen Bob Woodward oder Carl Bernstein sucht man in Deutschland (und inzwischen wahrscheinlich auch in den USA) vergeblich. Es gibt diese Journalisten noch, aber sie haben nicht mehr die Freiheit offen zu schreiben:
Es gibt keine echte journalistische Unabhängigkeit mehr. Die vierte Instanz hat sich verkauft und uns verraten.
Hinzu kommt, dass die Sprache immer mehr missbraucht wird. Statt "Teuerung" heißt es jetzt "Reform", statt "Besitzstandswahrung" heißt es "Verbraucherschutz", statt "Überwachungsstaat" nennt man es "Schutz vor Terror". Die Liste könnte endlos weitergehen.
Und statt alles einfach zu kommunizieren, schwadroniert die Politik und die Wirtschaft in einer Art und Weise, dass kaum noch jemand folgen kann. Und genau so undifferenziert werden all diese endlosen Fehlinformationen in der Presse völlig unkritisch nachgeplappert.
Es gibt keinen wirklich aufklärenden Journalismus mehr. Es wird nichts hinterfragt, kaum recherchiert und schon gar nicht belegt, was geschrieben und publiziert wird. Das löst keine Probleme, das ist ungerecht und es hinterlässt uns alle mit dem schalen Gefühl, dass wir unterm Strich wieder und wieder über den Leisten gezogen werden.
Die Welt braucht eine unabhängige Presse, eine Presse die Schatten durch Licht ersetzt, die die Macher im Hintergrund entlarvt, die für eine Verbesserung der Gesellschaft als Ganzes arbeitet – und nicht ausschließlich für die Bespaßung, Verdummung und Kontrolle der Massen. Dafür brauchen wir eine neue Art der Presse.
Diese Presse darf niemanden gehören, sondern sie gehört allen. Sie darf nicht finanziell abhängig von einzelnen oder Gruppen sein. Sie darf nicht auf dem Wissen einzelner basieren, sondern auf dem Wissen, den Eindrücken und den Meinungen vieler. Sie darf nicht einer Ideologie oder einem Ismus folgen, sondern dem Streben nach der ganz einfachen Wahrheit. Sie darf nicht subjektiv sein, sondern muss logisch sein. Sie darf nicht zensieren und reglementieren, sondern erarbeitet die Wahrheit durch einen stetigen, lebendigen Diskurs. Sie hat keine Gatekeeper per Dekret sondern per Selektion, die auf Meriten basiert.
Oder noch genauer: Wir brauchen eine Mitmach-Webzeitung an deren Betrieb, deren inhaltliche Gestaltung und deren redaktioneller Kontrolle die eigene Zielgruppe mitwirkt. Die Ziele:
- Wahrheit (oder die Annäherung an selbige soweit möglich.)
- Unabhängigkeit (vollkommener Ausschluss aller Lobbys aus Politik und Wirtschaft von der redaktionellen Kontrolle der Inhalte.)
- Freiheit (verpflichtet dem Kampf gegen jede Art der Bevormundung, Gängelung und Ausnutzung der Bürger durch selbsternannte so genannte Eliten.)
- Einfachheit (Simple Sprache, simple Worte – für alle verständlich, für alle verständlich. Kein Ausschluss durch intellektuelle Hürden.)
Zugegeben, dies alles ist eine Vision, aber eine für die es sich lohnt zu arbeiten und zu kämpfen. Für den Fall, dass es dort draußen Interessenten gibt, die dieser Vision folgen können.
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