Zensiert Apple Futurama?
Die neue Folge der Cartoon-Serie dreht sich um das gewandelte Image der IT-Firma.
Von der vom Simpsons-Schöpfer erdachten Cartoon-Serie Futurama gab es lange keine regulären neuen Episoden, sondern lediglich Filme, die direkt auf DVD erschienen. Der Sender Comedy Central fasste sie später zu einer fünften Staffel zusammen, die er 2008 und 2009 in den USA ausstrahlte. Seit 10. Juni laufen dort auch reguläre neue Folgen. Die in der letzten Woche ausgestrahlte dritte Episode dieser sechsten Staffel dreht sich vor allem um die Firma Apple.
Die zentrale technische Rolle in der Folge Attack of the Killer App spielt das eyePhone - eine Parodie auf das iPhone von Apple. Hergestellt und verkauft werden die eyePhones von "Mom", die bereits in mehreren Futurama-Folgen großen Unternehmen ein (böses) menschliches Antlitz verlieh. "Mom" freut sich, dass ihre idiotische Kundschaft durch das eyePhone und "Twitcher" nun ihre privatesten Daten freiwillig abgibt, was ihr zielgenaue Werbung erheblich erleichtert. Als der Serienheld Philip J. Fry fragt, seit wann das Internet dazu dient, Menschen die Privatsphäre zu nehmen, antwortet ihm der Roboter Bender "August 6th, 1991" - der Tag, an dem Tim Berners-Lee in der Newsgroup alt.hypertext sein WWW-Projekt postete.
Fry und der Roboter Bender schließen eine Wette ab, wer von ihnen als erster auf eine Million Follower bei "Twitcher" kommt. Als Fry die Niederlage droht, veröffentlicht er ein Video eines peinlichen Furunkels (im Englischen "boil") namens Susan, das mit schottischem Akzent singt und eine Anspielung auf die Castingshowgewinnerin Susan Boyle ist. Damit schafft er es zwar, zeitgleich mit Bender auf eine Million Follower zu kommen - eigentliche Siegerin ist aber, wie sich herausstellt, "Mom". Sie gewinnt damit Zombie-Fans für ihre Produkte, die ihre Ankündigung "Introducing the all new eyePhone 2.0" mit Geld in den Händen bejubeln.
In dem von Comedy Central nach der Ausstrahlung online angebotenen Clip Fry and Leela's Humiliation wurde diese Szene nach Angaben von Maclife gekürzt, was im Web zahlreiche Spekulationen über eine mögliche Einflussnahme von Apple auslöste. Am Montag war der Ausschnitt auf der Website des Fernsehsenders dann gar nicht mehr zu finden - alle drei dort verbliebenen Clips aus dieser Folge enthalten keine direkten Anspielungen auf Apple mehr. Der IT-Konzern wollte eine Einflussnahme bisher weder bestätigen noch dementieren. Pressesprecher Georg Albrecht meinte gegenüber Telepolis wörtlich, es gäbe dazu "keinen Kommentar". Auch bei Comedy Central fand sich niemand, der Stellung nehmen wollte.
Apple wird allerdings nicht nur in dem Ausschnitt, sondern in einem Großteil der Gags der Episode auf verschiedenste Weisen angegriffen: Bereits vor der offiziellen Zombiefizierung wirken die Käufer von Apple-Produkten beispielsweise wie die vereinheitlichten Massen im berühmten Macintosh-Werbespot von 1984. Das eyePhone wird mit Nutzungsoptionen wie "Stalk your ex" oder "Download porno on a crowded bus" beworben. Und als der Verkäufer Fry erklärt, dass das Gerät 500 Dollar kostet, er damit an einen Telekommunikationsprovider gebunden ist, die Batterie nicht lange hält und der Empfang zu wünschen übrig lässt, antwortet dieser in einer Parodie auf die manchmal fast masochistisch anmutende Begeisterung von Apple-Usern für offensichtlich mangelhafte Produkte des Konzerns nur "Shut up and take my money!"
Auch in alten Futurama-Folgen gab es zahlreiche Anspielungen auf Apple-Produkte - allerdings waren diese im Vergleich zu denen in der neuen Folge eher positiv als kritisch. Dazu mag auch beigetragen haben, dass Matt Groening 1989 eine Werbebroschüre für den damaligen Computerhersteller gestalteten durfte.
Auf fruchtbaren Boden fielen die aktuellen Zensurspekulationen nicht nur deshalb, weil Comedy Central unlängst mehrere South-Park-Folgen nach Drohungen einer Islamistengruppe veränderte, sondern auch, weil Apple in letzter Zeit durch Zensuranstrengungen auffiel, denen unter anderem politische Cartoons des Pulitzer-Preisträgers Mark Fiore, der Opera-Browser, die Aktionskunst-Anwendung "I Am Rich", verschiedene Google-Apps, der Literaturklassiker Moby Dick, Bildzeitungs-Brustwarzen und Aldi-Werbebilder zum Opfer fielen. Auch die Modezeitschrift Dazed & Confused muss für das iPad angeblich so stark umgearbeitet werden, dass die damit betrauten Angestellten in Anspielung auf eine bekannte nahöstliche Theokratie von einer "iRan-Edition" sprechen.
Von Peter Mühlbauer.
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32901/1.html

